Die Kultur der egofreien Vielfalt

HELEN’S KULTUR-BLOG

 

Es gibt Bestrebungen in unserer Gesellschaft, insbesondere im Sozialismus und Kommunismus, alle Unterschiede aufheben und alles gleich machen zu wollen.

Es wird eine Gesellschaft idealisiert, in der alle Menschen gleich sind, es keine Hierarchien mehr gibt, keine Trennung mehr gibt, keine Individualität mehr gibt, keine Unterschiede mehr gibt, niemand mehr hat als der andere, keiner gebildeter ist als der andere, es keine eigenen Meinungen mehr gibt, jeder dieselbe Kleidung trägt wie der andere – alles gehört allen, niemand besitzt etwas, sondern alles ist Gemeinschaftsgut. Die Idealvorstellung ist, dass dann alle zufrieden und glücklich sind und es keine Rivalität, keinen Konkurrenzneid, kein „Ich bin etwas Besseres als du“ usw. gibt. Einige Wenige, die absolute Elite, übt die Macht zum Wohle der Menschen aus und sorgt dafür, dass die „Tiere“, denn mehr sind Menschen in ihren Augen nicht, sich ordentlich und angepasst verhalten. So, die Ideologie, käme man dem nahe, was man „Paradies auf Erden“ bezeichnet.

Diese Ideologie ist eine komplette Irrlehre bzw. Irr-Ideologie!

In Anbetracht der Schöpfung hat die Instanz, die über dieser Schöpfung steht, eine Vielfalt geschaffen und keine Gleichheit!

Schauen wir uns dazu die Vielfalt im Pflanzenreich an, die Vielfalt im Tierreich, die Vielfalt der Erdformationen, die Vielfalt im Bereich der Mikroorganismen, die Vielfalt in den Ozeanen, die Vielfalt der Sonnen, Sterne und Planeten, und natürlich: auch die Vielfalt im Menschenreich.

Überall eine immense Vielfalt. Nicht zwei oder drei. Nicht 10 oder 20. Nicht 100 oder 200. Nein, tausende, zigtausende.

Im Pflanzenreich: Eine Vielfalt an Bäumen, an Blumen, an Kräutern, an Sträuchern, an Moosen, an Gräsern, an Farnen usw.

Im Tierreich: eine Vielfalt an Säugetieren, an Insekten, an Vögeln, an Fischen, an Amphibien usw.

Im Menschenreich: eine Vielfalt von Menschen unterschiedlicher Hautfarben, Größen, Statur, mit rundem Gesicht, ovalem Gesicht, eckigem Gesicht, länglichem Gesicht, mit kleiner Nase, Hakennase, Stupsnase, länglicher Nase, breiter Nase usw.

Eine immense Vielfalt allein im Aussehen. Dazu kommt noch die Vielfalt in der Spezies, in der seelischen Kapazität, in der geistigen Kapazität, in der geschicklichen Kapazität, in der energetischen Kapazität, in der kreativen Kapazität. Und weiter die Vielfalt in der organischen Kapazität, in der Kraft des Immunsystems, des Blutsystems, der Gehirnsystems, des Herzkreislaufs, der Bewegungsfähigkeit, usw. Daneben auch ganz wichtig, die Vielfalt in den Ausdrucksfähigkeiten, in den emotionalen Fähigkeiten und Möglichkeiten, in den natürlichen ethischen Werten, in den Charakteren, in den Interessen, in den Bedürfnissen, und, und, und.

Wir müssen erkennen: Ein Löwenzahn wird immer ein Löwenzahn bleiben. Eine Katze wird immer eine Katze bleiben. Ein Frosch wird immer ein Frosch bleiben. Ein individueller Mensch wird immer ein individueller Mensch bleiben, aufgrund seines angeborenen Charakters, seiner seelischen Qualitäten, seiner geistigen Qualitäten, seiner Neigungen. Wenn er mit einer Hakennase geboren wurde, wird er immer eine Hakennase haben.

Wenn man versucht, dem Löwenzahn, der Katze, dem Frosch oder dem Menschen einzubläuen, dass der Löwenzahn eine Brennnessel ist, die Katze ein Vogel ist, der Frosch eine Schlange ist oder der Mensch namens Hans gleich ist wie der Mensch Namens Fritz, wird das misslingen. Das, was daraus erstehen wird, ist allenfalls ein gänzlich verkorkstes Wesen, das völlig verdreht und verwirrt ist.

Stellen Sie sich einfach nur einmal vor: Schon im Kleinkindalter werden Sie von ihren Eltern und damit Ihren Bezugs- und Orientierungspersonen getrennt und in der Kita oder in der Schule wird Ihnen beigebracht: Du bist genauso wie die anderen Kinder, mit denen Du in der Kita oder Schule bist. Ihr unterscheidet Euch in gar nichts. Was, du hast Freude am Klavierspielen? Das bildest du dir nur ein! Das treiben wir dir schon aus. Erlaubt ist in der Menschengruppe nur das Ballspielen. Das magst du nicht? Dann kommst du in eine Sondergruppe, in der du lernst, Ball spielen zu mögen. Erst wenn du jegliches Interesse am Klavierspielen verloren hast und dazu übergegangen bist, Ball spielen zu mögen, bist du sozialisierungsfähig und ein gutes Mitglied der Gesellschaft. Basta! So werden Sie ein Mensch, der wie alle anderen Ball spielen praktiziert und gut findet. Insgeheim aber lieben Sie weiter das Klavierspielen und die Musik, aber da es eben verpönt, ja mehr noch, verboten ist und Sie nicht wieder ins Umerziehungslager wollen, unterdrücken Sie ihre wahre Natur. Aber alles, was wir unterdrücken, schadet unserem Wesen, unserer Entwicklung, unserer Entfaltung, unserer Natur!

Wir sind in einer derartigen Gesellschaft keine freien Wesen, sondern unterdrückte und vergewaltigte Wesen, die im Inneren leiden. Auch deshalb, weil wir nicht in der Geborgenheit, Wärme und Liebe eines intakten, harmonischen Elternhauses aufwachsen, sondern in der Gemeinschaft einer Kita, in der wir ertragen müssen, keinerlei besondere Fürsorge und Förderung zu erhalten, sondern nur dieselbe Fürsorge und Förderung, wie sie alle erhalten. Alle sollen in dem Bewusstsein aufwachsen, dass alle Kinder gleich sind, das Gleiche erhalten und haben und in allem gleich sind. Und damit alle glücklich sind, erhalten sie täglich ihre Portion Schokolade mit Antidepressiva und Glückshormonen. Der Film „The Giver“ lässt grüßen.

Die Irrlehre der Gleichmacherei ist die größte Sünde an den Menschen und an der menschlichen Individualität, die von der Schöpfung eingerichtet worden ist. Jeder Mensch ist im schöpferischen Sinne ein Unikat und ebenso ist sein Leben ein absolut individuelles Leben, für das er so ausgestattet worden ist, wie es am besten passt. Jeder Mensch hat eine individuelle Seele mit den entsprechenden seelischen Eigenschaften, die sich von der Seele anderer unterscheidet und das aus gutem Grund.

Jeder Mensch darf für sich beanspruchen, ein individuelles, vielfältiges Wesen zu sein und er hat den Anspruch darauf, sein individuelles, vielfältiges Wesen in diesem Leben zu entwickeln und zu entfalten. Niemand hat das Recht, diese Entwicklung und Entfaltung zu behindern oder zu beeinträchtigen, allerdings dürfen die Wesen, die im Lebensspiel eines jeden einzelnen Menschen mitspielen, auf diese Entwicklung und Entfaltung in gewissem Maße fördernd einwirken.

Dieses Recht des Menschen auf freie Entwicklung und Entfaltung seines vielfältigen Wesens bedingt jedoch eine Tatsache: dass sie egofrei ist.

Gemeint ist hier nicht natürliche Erfahrung des „Ich will, ich kann, ich möchte“ mit Rücksicht auf die anderen, sondern die egoistische bzw. egozentrische Verhaltensweise, „ich will und was du willst interessiert mich nicht“ oder „ich möchte jetzt und wenn du nicht möchtest, dann hau ich dir eine runter“. In diesem Fall haben wir es mit einer egobetonten und egozentrischen Vielfalt zu tun, in der man sich selbst als besser oder stärker betrachtet, in der man Macht über andere haben möchte, in der man sich selbst Vorteile verschaffen möchte, in der man seinen Willen durchsetzen möchte, in der man andere unterdrücken oder manipulieren möchte.

Das, was wir heute weitgehend in unserer Gesellschaft haben, ist eine egobetonte bzw. egozentrische Vielfalt und daraus resultierend eine entsprechende Gesellschaftsordnung. Die ursprüngliche Schöpfungsabsicht der Vielfalt hat sich in eine egoistische Vielfalt verwandelt, die die Vielfalt nicht als göttliches Geschenk annimmt, sondern als Recht dazu, etwas Besseres zu sein als die anderen, mehr Rechte zu haben als die anderen, mehr Macht zu haben als die anderen, mehr Besitz und mehr Geld zu haben als die anderen.

Die ursprüngliche göttliche Vielfalt wurde und wird heute häufig für egoistische und egozentrische Verhaltensweisen und Bedürfnisse missbraucht.

Indem man jetzt jedoch versucht, gewaltsam alles gleich zu machen und die ursprüngliche göttliche Vielfalt in einen Einheitsbrei zu verwandeln, wird man niemals die ursprüngliche göttliche Vielfalt abschaffen können, denn die im Menschen innewohnende göttliche Natur wird immer wieder an die Oberfläche kommen. Es ist wie bei einem Löwenzahn, den man zubetoniert. Irgendwann wird der Beton rissig und der Löwenzahn kommt wieder durch. Denn, die Vielfalt hat eine in sich wohnende Stärke: die Stärke der Natur, einer Natur, die von der höchsten Schöpfung geschaffen wurde und die immer wieder – egal, wie sehr sie von Menschen zerstört wird – an die Oberfläche kommt.

Das, was wir stattdessen brauchen, ist die Erkenntnis und das Bewusstsein, dass wir unsere Individualität dazu erhalten haben, sie zum Wohle von allem was ist, einzusetzen. Wer z.B. eine kreative Ader mitbekommen hat, wer ein musisches Talent mitbekommen hat, soll es nicht dafür einsetzen, möglichst viel Geld und Ruhm damit einzuheimsen, sondern die Seele der Menschen mit seiner Kunst zu veredeln und zu erhöhen. Wer z.B. ein Führungstalent mitbekommen hat, soll es nicht dafür einsetzen, sich selbst Machtvorteile zu verschaffen, sondern zum Wohle einer Gruppe, eines Stammes, eines Landes einzusetzen und die notwendigen Führungsaufgaben im Sinne eines Vaters/einer Mutter zu übernehmen und deren Entwicklung und Entfaltung zu fördern.

Die göttliche Vielfalt, wie sie sich in jedem einzelnen Menschen ganz individuell ausdrückt, ist ein wichtiges Gut, das ein jeder Mensch in die menschliche Gemeinschaft einbringen soll, kann und darf. In dem einen Menschen drücken sich die medizinischen Fähigkeiten aus, im anderen die priesterlichen, im nächsten die handwerklichen, und wieder im anderen die gärtnerischen usw. Der eine ist groß, der andere ist klein, der eine ist grob, der andere ist fein, der eine kann gut laufen und springen, der andere gut durchs Dickicht kriechen, der andere kann gut zupacken, der andere kann gut feine Haare flechten usw. Das alles können und dürfen wir unseren Mitmenschen und unserem Leben, insbesondere auch dem Gemeinschaftsleben, zur Verfügung stellen. Wenn wir das tun, dann leben wir in einer egofreien Vielfalt, in der wir uns als Blume in einem riesigen Garten sehen. Wir sind eine Blume in der immensen Vielfalt zahlreicher unterschiedlicher Blumen. Erst eine bunte Blumenwiese voller unterschiedlicher Blumen macht eine Blumenwiese aus. Wie langweilig und karg wäre es, wenn es nur lauter Gänseblümchen in der Wiese geben würde.

Das versuchen diejenigen zu bewirken, die die Menschheit in einen Einheitsbrei verwandeln wollen. Dass sie dabei nicht zum Einheitsbrei gehören, versteht sich von selbst, denn sie sind ja die an der Spitze, in der Elite, die separat stehen und sich deshalb von den anderen unterscheiden. Und natürlich bleibt man in der Elite unter sich und vermischt sich nicht mit dem Einheitsbrei. Damit stellen sie ihre eigene Ideologie von der absoluten Gleichheit ad absurdum.

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