Die Kultur der humanen Gemeinschaft

 

HELEN’S KULTUR-BLOG

 

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Menschen sind vom Naturell her Gemeinschaftswesen. Bereits der antike Philosoph Aristoteles bezeichnete den Menschen als „Zoon politikon“ (zu deutsch: der Mensch als soziales und politisches Wesen) und stellte fest, dass die Menschen eine Tendenz haben, sich mit anderen Menschen zu Gemeinschaften zusammenzuschließen. Der Mensch kann zwar, so Aristoteles auch alleine leben, jedoch kann er sich innerhalb einer Gemeinschaft besser verwirklichen und den in ihm innewohnenden Daseinszweck, den er „Telos“ nannte, erfüllen.

Als Gemeinschaftswesen besitzt der Mensch einen natürlichen Gemeinschaftsbezug. Dieser kommt nicht erst nachträglich zu seinem Wesen hinzu, sondern der Mensch ist durch seine Individualität und Personalität derjenige, der von Natur aus mit anderen Wesen in einer sozialen Relation steht. Der Theologe und Professor für Moraltheologie Josef Spindelböck führt dazu in einem Vortrag bei der Theologischen Sommerakademie in Aigen im Mühlkreis mit dem Titel „Ethisch-moraltheologische Überlegungen“ weiter aus:

„Aufgrund der Sozialnatur des Menschen haben sich in jedem Abschnitt seines geschichtlichen Daseins auf Erden bestimmte Formen des Gemeinschaftsbezugs und der Vergesellschaftung herausgebildet. Als Hauptformen der Vergesellschaftung sind zu nennen: Ehe und Familie, Stamm und Volk, der Staat als politische Gemeinschaft, die Kirche als religiöse Gemeinschaft, die freien gesellschaftlichen Vereinigungen unterschiedlicher Zielsetzung und Ausrichtung sowie die internationale Völker- und Staatengemeinschaft.

Der natürliche Gemeinschaftsbezug ist mit einem ebenso natürlichen Gemeinsinn verbunden, d.h. wenn Menschen richtig, also von demselben gemeinsamen Grund aus denken, können sie nur gemeinschaftlich denken. Wer anders, also unmenschlich denken wollte, müsste dann gegen sich selbst denken und wäre damit nichts anderes als ein Unmensch.

Das Ideal der menschlichen oder humanen Gesellschaft ist die freie Menschheit, die sich auf menschliche Würde, höchstes sittliches Verhalten des Menschen sowie umfassende Bildung begründet. Im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen von Wolfgang Pfeifer, Edition Kramer, Rhenania Verlag, Erstveröffentlichung 1989, heißt es unter dem Begriff „Humanität“ weiter:

„Freundlichkeit, Güte, aus lat. humanis, menschliche Natur, Menschheit, Menschenfreundlichkeit, Milde, feine Bildung, zu lat. humanus. Im Sinne von gelehrte Kenntnis, höhere Bildung, freie Entfaltung aller menschlichen Geisteskräfte.“

Betrachten wir unsere heutige Gesellschaft, so müssen wir erkennen, dass es immer mehr Unmenschen gibt, die darin den Ton angeben und das Sagen haben. Die Entscheidungen, die von oben getroffen werden, sind häufig so unmenschlich, dass man sich nur wundern muss, z.B. Früh-Sexualisierung der Kinder, Errichtung des flächendeckenden Überwachungssystems G5, Diffamierung bis hin zu Inhaftierung von Systemkritikern, Abtreibung bis kurz vor der Geburt und Verwendung der Föten für Jungzellenkuren oder -Kosmetik, Vergewaltigungsfreispruch von „armen“ Asylanten an unschuldigen Frauen und Mädchen, Tötung von Systemkritikern zum Zwecke der Organentnahme usw.

Was muss noch passieren, damit die Menschen, über die solchermaßen verfügt wird, sich erheben und diese Unmenschen zum Teufel jagen?

Ist es nicht an der Zeit, dass jetzt endlich wieder Humanität nicht nur eine leere Phrase der Unmenschen ist, sondern in ihrer ursprünglichen Bedeutung wieder in die Gemeinschaften und Gesellschaften dieser Erde einzieht und allen Menschen ein würdiges Leben ermöglicht, getragen von höchstem sittlichen Verhalten jedes einzelnen?

Wir müssen uns wieder mit der ursprünglichen Kultur der humanen Gemeinschaft verbinden und uns ihrer bewusst werden. Diese ursprüngliche Kultur vermittelt dem Menschen die Grundlagen, wie er sich innerhalb der Gemeinschaft zu verhalten hat, welche Regeln er beim Umgang mit anderen zu beachten hat, wie die Gemeinschaftsordnung auszusehen hat, damit innerhalb der Gemeinschaft Recht und Ordnung herrschen und sich jedes Wesen gleichermaßen nach besten Möglichkeiten entwickeln kann.

Wenn in früheren Kulturen ein Kind auf die Welt kam, wurde es in eine Gemeinschaft hineingeboren, die ihm Sicherheit, Stabilität, Ordnung, Werte, Wissen, Erfahrungen, Versorgung usw. gab. Das Kind wuchs im Bewusstsein der bestehenden Gemeinschaftskultur auf und fügte sich in diese ein bzw. bekam dort seinen Platz.

Innerhalb der Gemeinschaft bestand eine Gemeinschaftshierarchie, die jedoch nicht, wie wir es heute haben, auf Ego und Egoismus aufgebaut war, sondern auf ein gleichberechtigtes Miteinander. Ein Bauer war in der Gemeinschaftsordnung ebenso viel wert wie ein Schamane oder ein Krieger. An der Spitze der Gemeinschaft standen stets die Erfahrensten, Weisesten, Edelsten und Gerechtesten. Oft waren dies die Ältesten der Gemeinschaft.

Die Gemeinschaftskultur beinhaltete Impulse, die Gemeinschaft zu schützen und zu versorgen. Jeder hatte seine bestimmte Aufgabe und wirkte daran mit. Die einen gingen auf die Jagd und sammelten Früchte, Wurzeln und Heilkräuter, die anderen schnitten und bearbeiteten Hölzer, bauten Hütten oder Werkzeuge, wieder andere halfen als Hebammen bei der Geburt oder wirkten als Schamanen bei Krankheiten oder rituellen Handlungen. Das, was ein jeder brauchte, bekam er von den anderen; das was andere brauchten, wurde ihnen von anderen gegeben. Es gab weder Geld noch andere Zahlungsmittel.

Am Anfang der Gemeinschaftskulturgeschichte herrschten weder Egoismus noch Neid noch Gier. Die Gemeinschaften lebten in friedlicher Koexistenz nebeneinander. Die Pflege der Gemeinschaft und die Erhaltung des Gemeinschaftswohls aller waren ihnen heilig. Sie hatten nicht nur eine intakte Gemeinschaftskultur, sondern auch einen sehr starken Gemeinschaftssinn.

Dies änderte sich mit dem Zeitalter der Egoismus, das wir durchaus bis zu Adam und Eva und ihren Nachkommen zurückverfolgen können. Aus dem Gemeinschaftssinn wurde der Egosinn. Nicht die Bedürfnisse der Gemeinschaft standen fortan im Vordergrund, sondern die Bedürfnisse des Einzelnen. In diese Bedürfnisse mischten sich die Todsünden: Gier, Neid, Hass, Wollust, Hochmut, Eifersucht, Völlerei, Geiz.

Im Zeitalter des Egoismus und der Egozentrik, wie wir es heute haben, herrscht Rivalität statt Gemeinsamkeit, herrscht Machtsucht statt gleichwertiges Miteinander, herrscht Rücksichtslosigkeit statt Rücksichtnahme, herrscht Lüge statt Wahrhaftigkeit, herrscht Gewissenlosigkeit statt Gewissenhaftigkeit, herrscht Sittenverfall anstatt Sittenhaftigkeit. Alles dreht sich um den eigenen Vorteil, um den eigenen Profit, um das eigene Wohlergehen, um die eigene Karriere, darum, besser zu sein als andere, stärker zu sein als andere, mehr zu haben als andere. Dies kann sich vom einfachen Angestellten bis hinauf zum Präsidenten und Multimilliardär ziehen. Die Motive sind die gleichen, die Dimensionen hingegen sind unterschiedlich, denn wo der eine im Kleinen agiert, agieren die anderen im Sinne des Globalen.

Wir müssen uns bewusst sein: In einer Gesellschaft, in der es ausschließlich um die Befriedigung der Egowünsche geht, kann es keine ethische, korrekte, sittliche, gerechte oder konstruktive, humane Gemeinschaftskultur geben. Die Folge davon ist der Verfall der ethischen, korrekten, sittlichen, humanen, gerechten und konstruktiven Gemeinschaftskultur. Die Gemeinschaft unterliegt dem Geist des Zügellosen, Sittenlosen, Inhumanen und Bösen und verkommt zu einer Horde von Räubern, Gangstern, Kriminellen und Mördern, die vor nichts zurückschrecken, um an die Spitze der Macht zu gelangen und um in den Olymp der Götter der Dunkelheit zu kommen, die die Welt beherrschen. Bedenkenlos, rücksichtslos, gewissenlos vollziehen sie unvorstellbar grausame Taten und versetzen die Welt in Angst und Schrecken, wobei sie sich oft als die „von Gott Auserwählten“ betrachten, denen dies zusteht.

Auch wenn es manchmal scheinen mag, als sei die humane Gemeinschafts- bzw. Gesellschaftskultur untergegangen, so dürfen wir nicht hoffnungslos sein, sondern müssen uns vor Augen halten, dass es den Geist der Humanität auch heute noch in unserer Gesellschaft gibt. Man findet ihn nicht unbedingt bei Menschen, die dem Mainstream folgen, sondern häufig bei denjenigen, die ihren ganz eigenen Weg gehen, sich nicht ducken, nicht buckeln, anderen nicht nach dem Mund reden, sondern bei Menschen, die gradlinig sind, die authentisch sind, die wahrhaftig sind, die mutig sind, sich nicht einschüchtern lassen, sich nicht von ihrem Weg abhalten lassen. Lassen wir uns jedoch von so manchen Helden nicht blenden, denn einige sind nichts als Marionetten, die von Egomenschen instrumentalisiert werden. Schauen wir genau hin, wem wir vertrauen können. Blicken wir hinter die Fassade, um die Wahrheit zu erkennen. Die Mainstream-Medien präsentieren sie uns in der Regel nicht, denn diese Medien sind zumeist nichts anderes als Propagandainstrumente derjenigen, die skrupellos die Welt und die Menschheit beherrschen wollen. Damit wir uns eine wirkliche Meinung bilden können, brauchen wir die alternativen Medien. Auch unser „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“ zählt dazu.

Der indische Vizepräsident Sarvepalli Radharkrishnan (1888 – 1975), ein Weggefährte von Mahatma Gandhi

 

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