Renate Lilge-Stodieck: Redakteurin mit Berliner Charme


Renate Lilge-Stodieck beim Interview in Schloss Rudolfshausen

Es war einmal ein kleines, scheues und schüchternes Berliner Mädchen namens Renate …. Das Leben hat aus dem ängstlichen Kind eine weise und starke Frau gemacht, die die Kraft hat, sich in einem Terrain zu bewegen, vor dem sich andere fürchten: China. Renate Lilge-Stodieck: „Als Kind hatte ich ganz viel Angst. Irgendwann jedoch habe ich mir gesagt: ‚Du willst doch nicht dein ganzes Leben lang Angst haben‘! Und so habe ich mich meinen Ängsten gestellt und sie überwunden. Dadurch bin ich frei von ihnen geworden und habe ganz viel an Stabilität gewonnen.“

Geholfen hat ihr dabei das Schreiben. Bereits 1956, als 13-Jährige, schrieb Renate Lilge-Stodieck ihre ersten Gedichte. Ihre Liebe zum Schreiben und ihre ausgezeichneten Noten in Deutsch führten dazu, dass sie bald darauf in die Schülerzeitung der Berliner Oberschule, die sie besuchte, eintrat und später sogar Chefredakteurin wurde.

Eine Lehrerin ihrer Schule motivierte sie eines Tages dazu, am Schreibwettbewerb der indischen Organisation „Share your Toys“, der an Berliner Schulen ausgeschrieben war, teilzunehmen. Der Beitrag von Renate Lilge-Stodieck wurde ausgewählt und so flog sie als 17-Jährige zusammen mit einem Mitschüler, einer Lehrerin, einem Reporter von der „Morgenpost“ und einem Fernsehteam für vier Wochen nach Indien. Sie erlebte unvergessliche Begegnungen mit dem indischen Vizepräsidenten Sarvepalli Radharkrishnan und dem indischen Präsidenten Jawaharlal Nehru.

Ein Hörspiel, das sie als junge Hausfrau und Mutter schrieb, wurde ihr Sprungbrett zum Rundfunksender „Freies Berlin“. Renate Lilge-Stodieck: „Das Hörspiel wurde zwar nicht genommen, da es nicht in das Programm passte, aber man sah, dass ich schreiben konnte und so machte man mir das Angebot, über andere Themen für den Sender zu schreiben.“ Ihre neue Tätigkeit als freie Journalistin für den Sender „Freies Berlin“ konnte sie gut mit ihren privaten Aufgaben vereinbaren.

Zwei Männer, mit denen sie verheiratet war, spielten in ihrem Leben eine Rolle: der erste Mann, den sie mit 19 Jahren geheiratet hat und mit dem sie zwei Söhne hatte; der zweite Mann, den sie mit 39 Jahren heiratete und der die Liebe ihres Lebens war. Sie träumten beide vom gemeinsamen Älterwerden, aber der wesentlich ältere Mann starb mit 73 Jahren überraschend an einem Herzinfarkt. Zurück blieb Renate Lilge-Stodieck mit gerade mal Anfang 50. Ihren Schmerz verarbeitete sie in Gedichten, die sie vor wenigen Jahren in ihr neues Buchprojekt „SEIN – Die Kunst des Annehmens“ eingewebt hat, wie Spinnfäden, die ein filigranes Kunstwerk bilden, in dem die Tränen wie Perlen glitzern. Das Buch publizierte sie 2018 im „Macht-steuert-Wissen-Verlag“ von Heiko Schrang. Der auch das Vorwort dazu geschrieben hat (ISBN 978-3-945780-43-5, VK-Preis € 22,90).

Auf einen weiteren Meilenstein in ihrem Leben steuerte Renate Lilge-Stodieck zu, als sie 1997 Bekanntschaft mit Falun Gong machte, das ihr ein chinesischer Arzt, den sie wegen ihres Heuschnupfens aufgesucht hatte, empfahl und sie in die Übungen und die Philosophie einführte.

Seit 1997 folgt sie dem Kultivierungsweg des Falun Gong, einer 1992 in China von Li Hongzhi, gegründeten Disziplin. Im Buch „Das große Vervollkommnungsgesetz des Falun-Buddha-Gebotes“ des Gründers heißt es in Teil A: „Das Falun-Buddha-Gebot ist ein hoher buddhistischer Kultivierungsweg, der seine Grundlage in der Assimilation von Zhen (Wahrhaftigkeit), Shan (Barmherzigkeit) und Ren (Nachsicht), den höchsten Eigenschaften des Kosmos, sieht. … Das Falun-Buddha-Gebot ist direkt auf das Herz des Menschen ausgerichtet. Es erklärt klar und deutlich, dass die Kultivierung der XinXing (der geistigen Natur) den Schlüssel zur Entwicklung der Kultivierungsenergie darstellt. … Die XinXing umfasst die Umwandlung von De (De: Tugend, eine Art weiße Substanz) und Ye (Ye: das Karma, eine Art schwarze Substanz), sie umfasst den Verzicht auf alle Arten von Begierden und Eigensinn eines normalen Menschen. …“

In China hatte Falun Gong in den späten 90er Jahren 70 bis 100 Millionen von Anhängern. Dies empfand die Kommunistische Regierung als Bedrohung ihrer Machtposition. Deshalb startete 1999 der damalige Parteichef Jiang Zemin eine Kampagne gegen Falun Gong (auch Falun Dafa genannt). Zahlreiche Falun Gong Anhänger wurden inhaftiert, gefoltert und teilweise getötet – bis heute. Besonders verabscheuungswürdig ist dabei die Zwangsexekution von Häftlingen zur Gewinnung von Organen. Im Bericht des China Organ Harvest Research Center mit dem Titel „Aktualisierter Bericht zum Medizinischen Genozid“ aus dem Jahr 2018 heißt es dazu auf S. 6 „Hintergrund“: „Die Organtransplantationsindustrie in China ist relativ jung, entwickelte sich aber trotz Mangels an freiwilligen Organspenden in nur wenigen Jahren nach 2000 zu der produktivsten weltweit. Im Jahr 2006 kam es zu ersten Anschuldigungen, dass gewaltlose, politische Gefangene auf Abruf in Chinas Haftanstalten und Krankenhäusern getötet wurden, um die riesige, lukrative Organtransplantationsindustrie zu versorgen. …“

Ein Teil der chinesische Falun-Gong-Anhänger lebt heute im Ausland, allem voran in den USA, denn nur dort können und dürfen sie ihren Kultivierungsweg weiter praktizieren. Aus diesen Exil-Chinesen hat sich Anfang 2000 eine Gruppe gebildet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, über die wahren Vorgänge in China, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Falun-Gong-Anhänger-Verfolgung, zu berichten. Sie gründeten 2000 in New York die Zeitschrift „Epoch Times“, die auch bald auf andere Länder ausgedehnt wurde.

Die Epoch Times Deutschland wurde 2005 gegründet. Geschäftsführer ist Manyan Ng, Chefredakteurin war bis 2012 Renate Lilge-Stodieck, die heute als stellvertretende Chefredakteurin tätig ist. Die Epoch Times Deutschland wird von der Epoch Times Europe GmbH herausgegeben und hat sich die neutrale, objektive und korrekte Berichterstattung über maßgebende Nachrichtenthemen als Ziel gesetzt (so zu lesen in der Website www.epochtimes.de).

Die Epoch Times gibt es in allen Sprachen, aber ganz besonders ist sie für Chinesen, die im Ausland leben, dort arbeiten oder Urlaub machen, gedacht. Renate Lilge-Stodieck: „Wir veranstalten in vielen Großstädten und Touristenorten Informationsstände, um die Chinesen darüber zu informieren, was in ihrem Land geschieht. Viele von ihnen sind bass erstaunt, was sie da zu hören bekommen, denn darüber haben sie in den Medien ihres Landes noch nie etwas gelesen, gehört oder gesehen.“

Renate Lilge-Stodieck, die Berlinerin, hat nicht nur ein großes Herz, sondern auch ein großes Gerechtigkeitsgefühl. Und wer dagegen verstößt, der bekommt es mit ihr zu tun oder besser: mit ihrem Berliner Brutal-Charme. Alles natürlich gemäß den drei Falun Gong Regeln: Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht.

Das ausführliche Porträt „Renate Lilge-Stodieck: Meilensteine im Leben einer Redakteurin“ können Sie im „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“, Ausgabe II/2019, Erscheinungsdatum Juli 2019, lesen.

 

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