Sepp Holzer – Naturikus und Permakultur-Spezialist

von Helene Walterskirchen:

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Sepp Holzer auf dem Gelände der Stiftung Nantesbuch vor seinen neu angelegten Hügel- und Terrassenbeeten (2019)

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Sepp Holzer ist für all jene, die im Einklang mit der Natur gärtnern und landwirtschaftlich anbauen wollen, mit seiner Holzer’schen Permakultur eine wichtige Leitfigur. Auch wir in Schloss Rudolfshausen folgen seit mehreren Jahren bei unserem ökologischen Gartenkonzept den Leitlinien der Permakultur von Sepp Holzer.

Es war mir immer ein Anliegen, diesen außergewöhnlichen Naturmenschen mit seiner weltweit populären Permakultur persönlich kennen zu lernen. Im April 2019 war es so weit: Ich traf ihn in der Stiftung Nantesbuch nahe Bad Heilbrunn, wo er sich aufhielt, um dort ein Holzer’sches Permakultur-Projekt zu errichten.

Ich begegnete einem Mann, den man mit bayerischen Worten als „Urviech“ bezeichnen würde, herb, aber nicht hart, mit verwittertem Gesicht und herzlicher Ausstrahlung sowie einer tiefen Gelassenheit, in der Mut und Tatkraft schlummern. Sepp Holzer ist gutmütig, das spürt man, aber, wenn es darauf ankommt, nimmt er kein Blatt vor den Mund und wird zum Kämpfer – für das Wohl der Natur und gegen jene, die mit Bürokratie oder aus Profitgründen das Wohl der Natur missachten.

Das Herz von Sepp Holzer schlägt im Takt der Natur. Das macht ihn zu einem wahren „Naturikus“, der das Wesen der Natur weder an einer Universität studiert noch von seinen Eltern gelernt hat, sondern sich selbst durch eigenes Erforschen in der freien Natur und Schöpfen aus seinem angeborenen Naturinstinkt angeeignet hat.

Bereits von früher Kindheit an beschäftigte er sich intensiv mit Pflanzen, Tieren und der Natur. Er hatte seinen eigenen kleinen Garten, in dem er seine ersten Versuche mit Ansäen und Einpflanzen machte und beobachtete, wie alles wuchs. Sepp Holzer: „Für mich war es als Kind immer spannend, welche von den Pflanzen, die ich eingesät oder eingepflanzt hatte, wuchsen und welche nicht. Wenn welche nicht wuchsen, fragte ich mich immer: ‚Warum?‘ Ich nahm das nicht einfach so hin, sondern ich wollte die Ursache erforschen und untersuchte die kaputte Pflanze und den Boden. Und so kam ich der Sache auf den Grund, z.B. dass Wühlmäuse von unten die Wurzeln der Pflanzen angefressen hatten, oder dass Wild von oben die Pflanzen beschädigt hatte usw. Das hat mich dazu motiviert zu überlegen, was kann ich zukünftig tun, damit das nicht mehr passiert. Und so habe ich beim nächsten Mal alles ganz anders gemacht.

Als Sepp Holzer älter wurde, musste er, wie seine Brüder, auf dem elterlichen Hof mitarbeiten, das war damals so üblich. Dennoch verbrachte er jede freie Minute draußen in der Natur. Das Gärtchen erwies sich bald als zu klein und so begann er damit, draußen im freien Gelände des Bauernhofes, an den Steilhängen, weitere kleine Natur-Experimentierbereiche zu errichten. Er sammelte Kerne von Zitronen oder Aprikosen und zog daraus kleine Bäumchen, die er am Steilhang einpflanzte. Er legte kleine Tümpel an, in denen sich Leben entwickelte. Und er erlebte es immer wieder, dass ein Starkregen alle seine Werke zerstörte, denn mit der Erde, die weggeschwemmt wurde, wurden auch seine kleinen Bäumchen mitgerissen und seine Tümpel zerstört. Und wieder stellten sich Sepp Holzer die Fragen: „Warum?“ und „Was kann ich tun, damit das nicht mehr passiert?“

Sepp Holzer: „Ich habe damals erkannt, dass dort, wo Steine lagen, die Pflanzen nicht mitgerissen wurden. Deshalb habe ich angefangen, alle meine Pflanzen an den Steilhängen mit kleinen Steinterrassen zu sichern. Das hat sie nicht nur gewärmt, weil die Steine bei warmen Temperaturen Wärme gespeichert und bei kälteren Temperaturen an die Pflanzen abgegeben haben, sondern das hat sie auch bei Starkregen gesichert.

Nach Abschluss der Volksschule folgte für Sepp Holzer die sogenannte bäuerliche Fortbildungsschule. Er schreibt dazu in seinem Buch: „Sepp Holzer – Der Agrarrebell“, erschienen 2002 im Stocker Verlag, Graz: „In dieser Fortbildungszeit in Ramingstein wurde unter anderem vom Wirtschaftsberater der Bauernkammer fortschrittliche Landwirtschaft in Gegenständen wie Düngemittelkunde, Spritzmittelkunde, Rindermast, Milchwirtschaft, Forstwirtschaft etc. unterrichtet. … Viele Broschüren und Hochglanzprospekte wurden gratis verteilt. Meine Freude über all die Unterlagen war groß, wurde uns doch damit bildlich vor Augen geführt, welchen Erfolg man mit Kunstdünger erzielen konnte oder wie leicht es war, mit Spritzmitteln das sogenannte Unkraut zu vernichten.“

Im Anschluss an die landwirtschaftliche Fortbildungsschule durchlief Sepp Holzer eine Obstbaumwärterausbildung in der Landwirtschaftsschule Winklhof bei Salzburg. Sepp Holzer im Buch „Agrarrebell“: „Im Zuge dieser Ausbildung lernten wir alle Obstsorten, Sträucher und Baumformen kennen. Veredeln, Düngen, Schneiden, Spritzen, aber auch Vergiften und Vergasen von Wühlmäusen und anderem unerwünschten Getier wurden uns beigebracht. Am Schluß dieser Ausbildung bekam ich einen Giftschein ausgehändigt, der mich zum Bezug schwerster Gifte berechtigte.“

Die jugendliche Experimentierzeit von Sepp Holzer kam zum Ende, als beim  Vater eine schwere Herzerkrankung diagnostiziert wurde und er den Krameterhof nicht mehr bewirtschaften konnte. Da die beiden Brüder von Sepp Holzer andere Interessen hatten, übernahm er mit 19 Jahren den konventionell bewirtschafteten elterlichen Hof mit Landwirtschaft und Viehwirtschaft. Nun endlich durften auch seine bis dahin aufgebauten ökologischen Kleinprojekte auf dem Gelände des Hofes ganz offiziell miteingebracht werden. Sie bildeten die Keimzellen für das alternative Landwirtschaftskonzept des Krameterhofes. Sepp Holzer berichtet in seiner anschaulichen Art:

„Damals waren es 20 Hektar, die es zu bewirtschaften galt. Ich habe Bagger eingesetzt, um aus den kleinen Terrassen richtige und große zu bauen. Ich habe Obstbäume, Beerensträucher, Kräuter und Zierpflanzen eingepflanzt, dazwischen Getreide gesät oder Kartoffeln gepflanzt. Ich habe Land dazu gepachtet, wenn es notwendig und möglich war und so ist nach und nach das entstanden, was gegenwärtig besteht. Aber auch heute noch gibt es Entwicklungen, Veränderungen und Verbesserungen auf dem Krameterhof, der ein international bekanntes Permakultur-Projekt und Freiluftlabor ist, und von tausenden von Naturfreunden jährlich besucht wird, die alle davon lernen wollen. Der Hof wird seit einigen Jahren von meinem Sohn Josef Andreas geleitet. Ich selbst wohne jetzt auf dem Holzerhof im Burgenland und bin dort aktiv, sofern ich nicht auf einer meiner vielen Reisen zu Holzer’schen Permakultur-Projekten im In- und Ausland bin.“

Der Weg von Sepp Holzer war nicht glatt, sondern steinig: der Vater war nicht einverstanden mit dem was er vorhatte; die Nachbarn schimpften über das, was er tat und unkten, dass er bald pleite gehen würde; die Behörden machten ihm Auflagen und Vorschriften, die er als unsinnig sah und die er nicht einhalten oder befolgen konnte, ohne sein Vorhaben zu gefährden. „Immer wieder bekam ich zu hören, dass ich einen Vogel habe und spinne“, so Sepp Holzer rückblickend. „Aber ich habe nicht aufgegeben und eisern weitergemacht.“

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Sepp Holzer mit seiner Frau Veronika vor dem Holzer Hof (Fotoquelle: Sepp Holzer)

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Im seinem Buch „Wüste oder Paradies“, erschienen im Stocker Verlag, Graz, heißt es dazu: „Konflikte mit Nachbarn, Behörden und Gesetzen ließen nicht auf sich warten. Doch er fand immer den nächsten Schritt, stets unterstützt von seiner Frau Veronika, seinen Eltern und später von seinen Kindern. Wo andere Bauern Fichtenmonokulturen anlegten, pflanzte er Frucht- und Mischwälder und säte Urgetreide. Wo die Behörden anordneten, Schädlinge zu vergiften, suchte er zu verstehen, was das System wieder in Balance bringt. Wo andere das Wasser möglichst schnell aus dem Gelände abführten, legte er Dutzende von Teichen an, um es zu halten – und das am Steilhang!“

Sepp Holzer hatte Erfolg mit seinem Konzept. Sein Erfolg sprach sich herum. 1995 erhielt er eine Anfrage der Universität für Bodenkultur in Wien, die ein Seminar auf dem Krameterhof abhalten wollte. Und so kamen Professoren und Studenten und erkundeten das Gelände um den Hof. Dabei stellten sie fest, dass das Konzept von Sepp Holzer sehr viel mit dem Permakultur-Projekt des australischen Ökologen Bill Mollison und seinem Studenten David Holmgren gemeinsam hatte. Es gab jedoch einige individuelle Aspekte von Sepp Holzer, die sich davon unterschieden. Und so entstand ein neuer, eigener Name für Sepp Holzers Projekt: die Holzer’sche Permakultur oder auch Holzer’sche Agrarökonomie. Plötzlich war das Konzept von Sepp Holzer keine Spinnerei mehr, sondern es war wissenschaftlich fundiert und er hoch angesehen. Der Ruhm stieg ihm jedoch nicht zu Kopf, sondern er blieb was er immer war: ein Naturbursch, ungekünstelt, natürlich, gradlinig, ehrlich.

Seitdem pilgern nicht nur zahlreiche Menschen zum Krameterhof, um dort Vorträge und Seminare zu besuchen oder Wildobst und Wildgemüse zu ernten, sondern ist auch Sepp Holzer permanent auf der ganzen Welt unterwegs, um seine Mission der Holzer’schen Permakultur zu verbreiten – sei es in USA, Russland oder Spanien, von vielen Orten erhält er Anfragen, die er alle gar nicht bearbeiten kann, weil es einfach zu viele sind. Stets ist sein Rat und sein Konzept gefragt, ist er damit beschäftigt, die Grundlagen für seine Holzer’sche Permakultur zu errichten und aus den Wüsten wieder ökologische Paradiese zu machen.

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Ein ausführliches Porträt über Sepp Holzer gibt es in meinem „Kultur-Magazin Schloss Rudolfshausen“, Edition II/2019 (www.schlossrudolfshausen.de)

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